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  Lesen schadet den Augen

 

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Die Kutsche über Straßen eilt.

Vor Starenkästen sie verweilt.

Das Brautpaar denkt: Wir sind doch helle.

Beachten die Gemeinde-Quelle.

 

Gebrauchslyrik – aus Lyrikschadchens Handwerkskiste

 

I. Kleine Theorie

 

Unter Gebrauchslyrik versteht man Gedichte, deren Produktionsabsicht auf einen Anlass abzielt (Kirchenlied, Gebetsspruch, Geburtstagsständchen, Poesiealbum-Spruch, Hochzeitsgedicht usw.). Der Text hat für Autor und Hörer/ Leser keinen Selbstwert. Die ästhetische Verpackung ist zweitrangig, wenngleich nicht ungewünscht. Wer hört es schon gern, wenn die Verse unvollkommen stolpern: Bei Hans Sachs ein Knitteln - beim Handwerker ein Rütteln – beim Hörer ein Schütteln? Grüß Schrott!

 

           Lyrikschadchens Grußformel ©

         

        Liebe Gäste, ihr seid da –

        schön, dass euch der Tag war klar.

        Scheitert’  wohl so manch Termin

        den man ließ am Festtag ziehn,

        weil man keinen Kuli fand,

        der entfernt von seinem Band -

        lag da nur ’ne Faden-Öse

        und man war dem Schicksal böse.

        Manchmal war die Mine leer,

        Gute Laune? Ging nicht mehr.

        Ja  die  Miene blieb nicht heiter,

        und der Ärger ging noch weiter - - -

         

        Nein – ihr seid heut hergelaufen

        müsst euch nicht die Haare raufen,

        seid wohlmöglich hergeeiert-

        weil ihr hofft- hier wird gefeiert,

        nächtens dann vielleicht gerei…

        weil das Bier in Strömen floss,

        was den Magen sehr verdross.

         

        Ja – so könnt’ es heute werden –

        Keiner soll hier auf der Erden

        schlafen müssen

        ohne Kissen.

         

        Essen, Trinken sind bestellt –

        Feiert, bis die Nacht sich hellt!

 

                            *

Muss die Gebrauchslyrik gesellschaftlich belanglos sein? Durchaus nicht!

Dazu lese man, was Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel  geschrieben hat:

„Es hat zu allen Zeiten eine Sorte Lyrik gegeben, bei der die Frage nach dem Kunstwert eine falsch gestellte Frage ist: ich möchte diese Verse ›Gebrauchs-Lyrik‹ nennen. Nur scheinbar hebt hier ein Begriff den andern auf.

Der politische, ethische oder religiöse Zweck benutzt, um auf die Massen zu wirken, die Formen der Kunst, deren nicht alltägliche Ausdrucksformen ihm sehr gelegen kommen. Die Wirkung soll sofort erfolgen, sie soll unmittelbar sein, ohne Umschweife – die These passiert also nicht die Kunst, sie wird nirgends sublimiert, sondern unmittelbar, in literarischer Maskerade, vorgeführt. Dergleichen hat nichts mit ›Tendenzkunst‹ zu tun, die das grade Gegenteil der Gebrauchslyrik ist: ein tendenziöses Gedicht ist ein Gedicht; die Verse der Gebrauchslyrik sind gereimtes oder rhythmisches Parteimanifest. ( - - -) “

 

                          Die Weltbühne, 27.11.1928, Nr. 48, S. 808

 

 Quelle: www.textlog.de/tucholsky-gebrauchslyrik.html

Wikipedia weiß:

„Der Begriff wurde 1927 aufgrund eines Lyrikwettbewerbs von Bertolt Brecht geprägt.“

Auch sei diese metaphernfreie und ohne (falsches) Pathos vorgetragene literarische Ausdrucksform eine von  namhaften Künstlern (Brecht, Kästner, Kaléko etc.)  der sog. Neuen Sachlichkeit geschätzte Lyrikgestaltung.

Lyrikschadchen bietet jetzt einfach mal ein eigenes Beispiel solcher „Kunst“, ernst zu bleiben, sowohl bei der Herstellung der Verse wie beim Vortrag des Ergebnisses – Gelächter der Hörer nicht ausgeschlossen.

 

      Mein Ältester, er wurd' grad dreißig,

      als Werber seit neun Jahren fleißig -

      so meint der Pfarrer, wie er hört,

      dass Daniel der Melli schwört: 

      „Ich gebe dir mein volles Ja!

      Die Vorlaufphase hat gereicht.

      Nun  sind wir ‘n Paa’ –   

      halt mich ganz fest!

      Jetzt kommt der Rest

       - und nicht zu seicht - 

      auf den die Kirche uns gleich eicht.“ 

       

      „Ich geb mein „Ja! –  halt dich ganz fest!

      Du bist “The Best !“      

                                             *

            II.  Weitere Beispiele der Gebrauchslyrik

 

 Hochzeit Melanie & Daniel   oder Spatz  mietz  Adler 

 

Jetzt kommt ein Hochzeitsklassiker, mit dem ich mir schon als Kind so manches Kuchenstück erarbeitet habe!  „Alle müssen am Ende auf mein Kommando was Frommes sagen:  Gott sei Dank!  Das üben wir male eben:

  1 -, 2-  3 – alle: …Gott sei Dank“ 

(Noch mal, das hat ja nicht geklappt, sondern geklappert!  Gott sei Dank!  Schon besser, aber noch nicht fromm genug für diesen Anlass. Also zum Dritten bitt. Gott sei Dank!   Gut, das reicht für angehende Betschwestern:

a)

Hochzeitgedicht von Wilhelm Busch

 

O wie lieblich, o wie schicklich

sozusagen, herzerquicklich

ist es doch für eine Gegend

wenn zwei Leute, die vermögend 

 

(Gut, gut, daran  müsst ihr vielleicht noch etwas arbeiten)

 

. . .wenn zwei Leute, die vermögend 

und dazu mit sich zufrieden

aber von Geschlecht verschieden

wenn nun diese, sag ich, ihre

dazu nötigen Papiere

sowie auch die Haushaltssachen

endlich mal in Ordnung machen

und in Ehren und beizeiten

hin zum Standesamte schreiten

 

(Nun, das war ja bei euch schon!  Dass  ihr so kleckert, konnte Wilhelm Busch schließlich  nicht ahnen)

 … hin zum Standesamte schreiten

wie es denen, welche lieben

vom Gesetze vorgeschrieben

dann ruft jeder freudiglich:

 

(Alle) „Gott  sei  Dank!   -               (Erich) … die haben sich!“

 

b)

              Lebensreise von Melanie und Daniel

 I.

Oma Lottis  Wickeltisch

 

Melli, wohl im Bauch ein Prickeln

circa. zwei bis circa drei.

„Mensch“, denkt sie, „das olle Wickeln,

Mensch wann is' denn das vorbei?

Geh ich mal auf Tauchstation.“

Schwupps unter den Wickeltisch.

„Melanie, wo bist du Kindchen?

Komm, ich mach's Popöchen frisch!“

Doch das Kind, das bleibt verschwunden.

Zieht schon heimlich seine Runden?

Keiner hat es aufgespürt,

während dieses saubre Mädchen

schon in der Nivea rührt-

Mit dem Händchen unumwunden

Ach, die Creme weiß und milde,

fast so mild, wie Oma Hilde.

„Was soll Fett auf meinem Po –

Mach ich Lottis Teppich froh!“

Groß und größer ihre Augen.

Herrlich kann der Teppich saugen.

Gleich ist dieses Döschen leer –

Eltern, bringt mir doch noch mehr

Von der weißen Schmandcrem’  her.

 

Da naht Mama: Herz, gab Stoß!

Freude wurde riesengroß.

Nicht mal einen Klaps auf  Po.

Mensch, was war ihr Po da froh!

Ja, manch Eltern hab ’n das Glück

kehrt das Kind nach Haus zurück.

Irgendwann wird es wohl traben

und sich an den Männern laben.

Heute sehn wir hier sie wieder

in `nem weißen Hochzeitsmieder.

Und man denkt dann ungeniert:

Auf die Farbe programmiert.

           *                           

II.

In der Kirche:

 

Melanie, die kleine Fromme,

jeder sie so niedlich fand.

„Ach was faltet sie die Händchen.“

Keiner findet das verspannt.

„Ja früh übt sich“, denkt der Pfarrer,

jedes Beten fängt mal an:

Lass die Kleinen zu mir kommen -

Patschehändchen, wer es kann.“

Ach, was wär der Mann betrübt.

wenn er um die Gründe wüsste.

was ein Kind in diesem Alter 

niemals nicht und nirgends misste.

„Nein, mein Kau(gumm)i, lass ich nicht!

Den geb ich dem Mann nicht her!“

Rasch gepappt zwischen die Händchen

und schon ist ihr Mündchen leer.

Nur dann später, das Theater –

als es dann herausgekommen:

Dieses Kind ist gar nicht fromm,

sondern frömmlerisch „unvollkomm’ “.

Klebt der Gummi zwischen Fingern,

was man da für Beten hielt.

„Ba, was faltet dir die  Händchen?

Ba, was bist du doch verspielt!“

Ach, mein lieber, guter Vater,

jeder hat so seinen Stil.

Mancher betet ’s  Vater unser,

mancher kaut etwas zu viel.

             *

                  III,

      Verbotener Ausflug

       

      „Sandra“. sprach die Frau Mama,

      „Wetter schlecht! Ihr bleibt heut da,

      denn die Weiden sind zu nass,

      und die Pfützen sind kein Spaß.

      Geh mit Melanie aufs Zimmer,

      ihr dürft Fernseh’ n, kein Gewimmer!“

      Schon ist Marianne fort.

      und die Kinder?  Nicht am Ort!

      Mit den Stiefeln über Weiden -

      ach, das können Kinder leiden.

      Immer tiefer in die Soße –

      Schlamm spritzt schon bis an die Hose.

      Pischte patsche – „Ich steck fest!“

      In der Pfütze wie im Nest!

      „Mama hilf, ich gehe unter!

      Mama, komm zu uns herunter.

      Mama, komm schnell aus dem Haus,

      sonst ist es mit uns gleich aus!“

      Und schon sieht man Muttern rasen,

      rasend ihre Backen blasen.

      Hinter ihr rast Oma Hilde –

      zornentbrannt wie eine Wilde.

      „Diese Kinder – das ist schlimm

      ungehörig, kein Benimm!“

      Pädagogiktipp ratz fatz:

      „Kinder kriegen was an Latz!“

      Doch die Mutter hat ein Herz

      „Nicht doch, solchen Leidensschmerz!

      Kinder schlagen find ich öde –

      schlagen macht doch Kinder blöde!“

      - - - - - -

      Zieht die Kinder aus dem Sumpf-

      Füßen bleibt nur noch der Strumpf.

      Kinder sollen Liebe fühlen -

      „Und jetzt rasch, die Stiefel spülen.

      Und zur Strafe  – wohl zu  funny –

      dürft ihr kucken: Bugs, Bugs Bunny.“

       

                             *

        IV.

Auch Kinder haben Ideen

 

Jeder weiß, zwischen Geschwistern

hört man es wohl auch mal knistern.

Oftmals liegen Gründe tief.

oftmals liegen Gründe schief.

Jeder Mensch hat seine Sorgen,

keiner muss beim Nachbarn borgen.

Jedes Kind hat seinen Kummer,

manches Kind hat keinen Schlummer –

wird konkret, wenn Schwester schreit,

dann ist mancher Rat nicht weit.

 

Auch die Sandra hat sich Kraft

mit den Lungen frei geschafft,

Tag und Nacht hat sie gebrüllt –

Wird das Kind den nicht gestillt?

Mag das Kind den Namen nicht?

Hat das Bäuchlein Schwergewicht?

Liegt es wohl am Taxistand,

weil sich zuviel Anruf fand?

Was war’n ihre tiefren Gründe? –

Schmerz lass nach, wenn ich die fände.

 

Melanie, das ältere Schaf,

wälzt sich schwer in tiefen Schlaf

und sich dann die Haare rauft:

„Mama – die wird jetzt verkauft!“

                     *

                                   V.

        Schulzeit  mit abgeleitetem  Leidensdruck

         

        Mobbing ist ein Modewort.

        Ärgern hieß das früher mal

        und die Schule war der Ort,

        wenn man stand am Marterpfahl.

        Melanie war niemals  Krieger,

        doch ein Junge  ewig Sieger,

        wenn es hieß: Schulranzen  leeren

        und sich nicht dagegen wehren,

        nicht beim Lehrer gleich beschweren.

        Solches fand die Melli dreist,

        bis ihr mal der Faden reißt

        und es gab was auf die Nase.

        Bursche blutet nicht zum Spaße.  

        Lehrer La…, der  will nicht glauben,

        was sein Auge vor sich sieht

        Blut am Boden – so’n Schiet.

        Rotz und Wasser heult der Bursche.

        Doch –  dass ’n

        Mädchen ihn verdroschen.

        hält er ganz beschämt die Goschen.

        Ja, Herr La…, der will nicht denken,

        was der Schüler wortlos  klagt,

        dass sich seine stille Melli

        weg von der Erziehung wagt:

        „Diese sanfte, blonde Fee ?

        Hat der Bursche selber Schuld,

        wenn ihr Platz mal die Geduld!“

 

        Fand den Faustschlag ganz o.k.

                      

                         VI.

Alle werden älter und sehen Hühner

 

Altern ist ein schweres Los –

Keiner findet das famos.

Noch als Paar kann man sich retten,

geht sogar noch in die Betten

wetten?

Doch allein hat all zu oft,

mancher auf sein Kind gehofft,

das mal schaut so nach dem Rechten,

das ist das, was Alte möchten.

Mancher hat sich da geirrt,

einsam durch das Heim dann schwirrt.

Drum ist’s gut, wenn ein Mensch denkt,

beruflich seine Schritte lenkt –

auch wohl mal ’nen Nachtpott  schwenkt,

ohne dass er gleich gekränkt.

Den Beruf nennt man dann Pfleger,

weiß so wie kein Schornsteinfeger.

Mal als Doktor eingestuft

Heiminsasse nach ihm ruft.

„Doktor, ham se mich vergessen?

Schwester, ich will was zu essen!“

Männer, Frauen, ganz egal –

Die Belastung ist fatal.

Melanie war nicht frustriert,

hat sich dort examiniert,

Altenpflege – rasch kapiert.

Ja,  es gab auch wohl mal Späßchen,

keinen Ärger, nichts aufs Näschen.

 

 Kommt die Melli in ein Zimmer

 Hört sie schon ein Ömchen rufen:

     „ Nichts zu tun? Nichts zu tun?

    Fang das Huhn – Fang das Huhn.“

 Und die Melli hört die Kunde,

schaut verwundert in die Runde

„Welches Huhn ist denn gemeint?

Ich seh keines, das hier greint!“

„Mensch, du Hühnchen, siehst du’s nicht –

schwebt dir ja schon vorm Gesicht!“

Also immer durch die leere

Luft dem Hühnchen hinterhere.

Schließlich hat sie’s unter Bangen

diesem Muttchen eingefangen.

Solche Jagderfolge heben,

lassen einen länger leben.

Doch war dies wohl auch der Grund

Melanie wurd' es zu bunt –

Altenpflege lief nicht rund.

Nur das eine hat geklappt –

Das man sich  ’nen Zivi schnappt.

 

Solche Fälle liebt das Leben.

Manchmal geht die Jagd daneben.

Manchmal schnappt das Schicksal zu.

Fängt ’nen Bräutigam im Nu!

Erst verliebt,  dann schnell verdrückt,

in das Sauerland abgerückt -

Schimmelwohnung -- sehr geknickt.

Doch auf Iltschi – sehr  geschickt.

Pferdehobby wie verrückt.

Dann zurück sich wieder schickt,

vom Frisör-Beruf entzückt,

heute hier als Braut geschmückt,

alles ist der  Frau   –

geglückt!

 

    Jetzt ist der Bräutigam  dran – unser Daniel

 

    I.

    Kinder-Sportkarre und Ehebett

     

    In der Karre niemals still

    Tut der Dani – was er will.

    Flinker Bursche – jagt die Schatten

    die vor ihm auf Flur und Matten

    auf der Straße sieht er liegen,

    will mal seinen Schatten kriegen.

    Sonne treibt so ihren Spaß

    Dani treibt so dies und das.

    In der Karre stille liegen?

    Dafür ist er nicht zu kriegen.

     

    Ist er schon am Tage munter,

    treibt er’s in der Nacht noch bunter.

    Still im Bettchen? Ne, ne ne –

    Erst mal will er noch ’nen Tee.

    Eltern wach im Ehebett.

    Davon wird kein Nachtschlaf fett.

    „Willst du zu uns?“ – Eltern sind nett!

    Und bevor er brüllt und schwitzt

    Bursch im Elternschlafraum sitzt.

    Einzelbett wird schnell storniert,

    weil der Junge rasch kapiert.

    Ja, er ist ein kleiner Schlunz

    Ruft jetzt stets: „Zu uns! „Zu uns!“

 

II.

 Sprache ist das Haus des Seins

 

Manches geht nicht aus dem Kopp.

Manches finden Eltern Topp.

Wenn ein Kind die Sprache findet,

nicht mehr gestenreich sich windet.

Eltern ahnen es mit Macht

und ihr Herz im Leibe lacht.

Das ist ihre Philosophie

Fremde Kinder schaffen ’s nie.

„Unser Kind kann endlich sprechen.“

Die Behauptung kann sich rächen.

Denn bei manchem Kinderklang

wird dem Sprachpuristen bang.

Dani hat am Mund bald Schwielen.

Ständig ruft er: „Pielen! Pielen!“

 

Und der Knabe hat Verstand

Lebenseinsicht bis zum Rand

Sieht die Wurst am Schlachtertresen,

merkt sogleich: Die is’ gewesen!

„Das ist Leberwurst mein Kind!“ ---

Wort und Ware  komisch sind,

Dani fragt, was da so klebt:

„Leberwurst? Hat die gelebt!“

 

Mama wird sofort fast narrisch.

Lebt schon geistig vegetarisch

Dann klärt mit viel Geduld,

was an diesem Namen Schuld,

„Die kommt aus dem Bauch mein Junge,

zwischen Magen und der Lunge.“

Mama weiß doch stets Bescheid,

und erklärt mit Heiterkeit.

Leitet Kommunikation

weiter auf den ersten Sohn.

Der wird zwar noch hinten nasser,

vorne bleibt sein Redewasser.

 

                     III.

      Mäuse, Mäuse

      Daniel hat’s mit den Tieren

      Liebt alles, was „auf allen Vieren“

      putzig sich im Kreise dreht

      oder an der Decke schwebt.

      Lampenkabel wird entwirrt.

      Hat sich Konstrukteur geirrt.

      Lampe hing dann jahrelang,

      an verdrehtem ollen Strang.

      Jeder meinte inhaltsleer:

      „Reparatur ist mir zu schwer!“

      Bis Besuch aus DDR

      kam und wusste eine Wendung,

      denn die kannten solch Verendung,

      stellten Drehung wieder her.

      Den zwei Sachsen: Danke sehr.

       

      Mäuse drehn sich auch im Kreise

      gern auf ihre eigene Weise.

      Rennmäuse sind eine Wucht –

      Besser noch ’ne Rennmauszucht.

      Mama mag die Tiere nicht.

      Doch das fiel nicht ins Gewicht.

      Sie ist lieb – kam nie in Rage

      Als sie sah gelbe Drainage

      Lief rings in der Wohnung lang

      10 mal Meter an ’nem Strang.

      Und die Mäuse, immer munter

      Tag und Nacht die Rohre runter.

      Jahre hat das Spiel gedauert

      Manches Tier hat man bedauert,

      weil es sich nie wieder fand,

      mit dem Kopf wohl durch die Wand.

      Irgendwo wird es jetzt leben –

      Ausgebüxt - So ist das eben.

      Merke drum für deine Ehe:

      Bleib der Frau stets in der Nähe.

      Dreht sie durch, ist’s kein Gewinn –

      Und die Lebenslinie hin.

 

          IV.

        Musik, Musik und „Saxogong“

        Schon sehr früh hast sich gezeigt,

        wozu dieser Junge neigt.

        Kaum heraus aus nassen Hosen,

        liebte er Musik zu kosen:

        Flöte hier und Flöten da –

        Glockenspiel und Trallala.

        Kinderschule mitgemacht,

        lernt die Noten über Nacht,

        Papa hat’s ihm beigebracht.

        Kein Gerät vor dem ihm bang,

        das nicht rasch gebracht zum Klang.

        Einmal allerdings ein Ton,

        als er dient an dem Altare

        vor Fronleichnamsprozession,

        eine ganz besonders rare

        Form des tönend Gaudiums,

        als es in der Kirch macht „rums!“

        Denn die Luft war hier sehr dünne

        und die Menschen sangen laut

        Sauerstoff wurde geklaut,

        dass den Dani vollends haut

        in die Seitenlage hinne - - -

        auf die Knie,

        so rasch wie nie,

        sieht man da den Knaben fallen,

        ohne noch etwas zu lallen

        mit dem Kopf auf einen Gong.

        Kirche wach bei diesem „Bong!“

        „Ach herrje, der arme Junge,

        hat der so  ’ne schwache Lunge?“

        Doch der Gong macht Dani munter –

        steigt von selbst vom Gong herunter,

        etwas blass um seine Nase,

        Vatern ging es an die Blase.

        Dieser Stil macht doch Figur:

        Woher hat der Jung das nur?

        Mutter Herz schon wieder lacht –

        weil das allen Stimmung bracht’.

        Jahre später denkt zurück

        an dies frühe Musikstück –

        alle Welt, die Dani kennt –

        wenn er in die Brass Band rennt.

        Niemals Einsatz er verpennt,

        Saxophon so lieblich flennt.                 

 

                  V.

      Der Rest in Kürze

      Irgendwann der Schulzeit Ende.

      Wenn sich ein Beruf doch fände?

      Erst einmal und ganz schön bälde

      Warum lehnt er ab das „Felde“

      militärisch straffer Führung?

      Spürt eine Gewissensrührung!

      Lässt sich prüfen, rasch geschafft

      und verlässt das Amt gestrafft –

       

      Stellt sich vor bei Simon – Hanna.

      Nennt sich Zivi –Pfleger bald.

      In ’ne Oma er verknallt?

      Nein mitnichten – ganz normal.

      Sonst gäb’s hier auch nichts zu dichten.

      Seine Maid ist blond und schmal.

      Melli merkt, wie Hase läuft –

      Und dass dieser Kerl nicht säuft –

      Was durchaus ’ne Ehe stört

      wenn der Mann auch tags noch röhrt.

      Dani hilft beim Altenheben,

      lässt zur Decke Ömchen schweben

      Melanie die Kissen schüttelt,

      auch wohl mal Katheter rüttelt.

      Spritze hier und Pille da –

      „Schwester, Schwester, komm Se ma’.“

      Alle finden Melli toll,

      selbst wenn ihre Hose voll.

      Ihre  das meint klar die Alten,

      die sich nicht mehr können halten,

      wenn die Blonde sie beäugt,

      sich über die Betten beugt.

      Jeder hat dann gerne mal Fieber

      „Schwester?“ – „Ja?“

      „Heut rektal – das wär mir lieber.“

      Na, na,  na –

      der Dani denkt,

      fühlt sich dennoch nicht gekränkt,

      ist ganz stolz, wenn andre sehen –

      mit so  ’ner Frau könnt’ Ehe gehen.

              *

                                         VI.

Jetzt ist aber Schluss!

 

Liebe Gäste – diese Reise

war so meine eigene Weise

dieses Brautpaar zu bedenken,

helfend erste Schritte lenken –

Blick nach vorne, Blick zurück

Schicksal sitzt uns im Genick.

So wie mir, der sich sehr freut,

dass der liebe  Gott gewollt

und ich da sein konnte heut –

sonst, Gäste, hätt’ ich geschmollt.

 

Also feiert,

also Prost –

Brautpaar Glückwunsch, nicht geeiert.

Startet forsch in euer Leben,

bleibt nicht an dem Alten kleben,

stoßt euch neue Türen auf,

sperrt die Tür auch mal am Knauf.

Hebt die Gläser, nun denn Prost!

mit Bier und Wein, (Tränen?)  und

Apfelmost.

                       *

 Erich Adler © - Vater eines durch Hochzeit verlorenen Sohnes nebst gewonnener Tochter                                                                                                        -    11.08. 2007

 

                                              *

     Gebrauchslyrik?  -     10 Schritte bei der Partnersuche

                 (Melodie: Dornröschen war ein schönes Kind)

1.

Die Melli  war ein schönes Kind, schönes Kind,  schönes Kind

Die Melli war ein schönes Kind,  (alle Gäste)  schö - nes Kind.

 

2.

Als  Lernschwester im Sauseschritt,  Sauseschritt,  Sauseschritt

Die Alten kommen kaum noch mit(alle Gäste)  kaum noch mit.

 

3. 

Ein Zivi sah das Kittelkleid, nur kein Neid, Kittelkleid

Ein Zivi sah das weiße Kleid,  (alle Gäste ) wei - ße Kleid.

 

4.

 „Du kleine Blonde, weißt Bescheid , weißt Bescheid, weißt Bescheid.

Daraus wird mal ein Hochzeitskleid   (alle  Gäste)  Hoch - zeits - kleid.

 

5.

Na na, so schnell,  mein Herr, geht’s nicht, geht es nicht,  geht es nicht

die Arbeit ruft  und erst die Pflicht,   (alle) erst die Pflicht.

 

6.

Drum  wäscht der Zivi Omas ab, Opas ab, nicht zu knapp,

ganz sauber macht hier keiner schlapp.  (alle  Gäste)   kei – ner – schlapp.

 

7.

 „Mach Platz, du holde Melanie,  schönes Kind, schönes Kind!

Für dich ich alles herrlich find,  (alle  Gäste)   herr - lich find!

 

8.

 „O, dieser Mann, der hat ein Herz, is’ kein Scherz, hat ein Herz

zum  siebten Himmel, himmelwärts ,  (alle Gäste ) him – mel- wärts.

 

9..

 „ Und irgendwann wird Hochzeit sein, Hochzeit sein,  nicht allein

Nur Iltschi *  lassen wir daheim   (alle Gäste) wir da – heim.

 

         (Lyrikschadchen als Vorsänger) Der kommt hier nicht rein. 

 

                           * Iltschi? – das Lieblingspferd der Braut

                   ***

 

Kutschfahrt

 

Der Kutscher lässt die Pferde traben.

Die Braut ist jetzt nicht mehr zu haben.

 

 

 

                                       

 c)     Gebrauchslyrik? – Anlass: runde Feiern mit Nachbarn

Schadchens Nachbarin  wird  50 - endlich!  „Mein Gott, jetzt hat sie’s!“ 

Fast alle Nachbarn  - auch Erich @ -  kennen längst dies Gefühl!

          

      Geburtstag ist ganz ohne Frage

      der schönste aller Feiertage.

      Drum woll’n wir keine Zeit verlieren,

      zum Wiegenfest dir gratulieren.

      Wenn wir es dir auch ungern sagen:

      Die 50 schlagen auf den Magen.

      Denn dieses Alter scheint die Wende.

      Die Fröhlichkeit geht nun zu Ende,

      nun folgen Stöhnen, morsche Knochen,

      und bald schon wird am Grab gerochen   . . . .

      Na,  na, so rasch geht es wohl nicht -

      So kurz geht’s nur hier im Gedicht.

      Ich wollt bloß sagen: Man wird älter.

      Mal trinkt man Pils. Mal trinkt man Selter.

      So mancher wird schon hundert Jahr.

      Da sagt man dann: Wie sonderbar!

      Der hat wohl  niemals nicht gesoffen,

      ist nur mit Hunden „rumgeloffen“.

      Was red ich hier für dumme Sachen!

      Wir lassen heut die Stimmung krachen.

      Denn  Birgit ist uns lieb und hold -

      und Glückwunsch wird ihr hier gezollt

      und alles Gute, alles Liebe

      und dass sie immer 50 bliebe!

      Dann kommen wir auch jedes Jahr

      gern wieder, das ist sonnenklar.

      Wir wünschen dir nochmal die Jahre

      und noch sehr lange blonde Haare.

      Blümlein und Kraut in eurem Garten

      Soll’n  auch am Bornweg auf dich warten.

      Auch Nachbarn, die am Wege stehn,

      hoch zu den Mauerseglern sehn.

      Wohl auch mal fragen nach den Hunden,

      Kehrst du zurück von Gassi-Runden.

       Ich hör jetzt auf,  man wird noch singen

      und Wilhelm wird die „Gabel“ schwingen.

      Kein falscher Ton - kein blöder Spruch,

      nur noch mein Wunsch:

      „Arnold? - Auch Pils ‚genuch’?“

              *

 

      60 Jahre – fort gesegelt

      Ilse ist jetzt auch mit im Boot

(Die meisten Bornweg-Nachbarn kenn’ dieses Schwanken schon)

 

Es ist seltsam mit dem Alter: Ist  man 10 und noch ein Kind,

weiß man glasklar, dass das Alter so um 20 rum beginnt!

 

Ist man selber 20, denkt man: Auf das Altern ich wohl pfeif!

Denn man meint: Erst gegen 30, wird man für die Flauten reif!

 

Dreißiger schon etwas ruhiger und vom Lebenswind geprägt,
haben den Beginn des Alters auf Punkt 40 festgelegt.

 

Vierziger mit Hang zum Segeln, schmeißen ’s Altern über Bord.
 „50 ist die ferne Grenze!“  -   Mast- und Schottbruch ?  - Nich’ sofort!

 

Doch die 50er, die Weisen, wissen um die alten Sachen:
Jung sind alle, die auch kentern – auftauchen, dann weitermachen.

 

Sind die 60 angebrochen, kommen Bornweg-Nachbarn singen:
“Scheiß auf ’s  Alter,  Scheiß auf Falten, heute lasst die Gläser klingen.!“

 

      Liebe Ilse, lass das Zählen!

      60 hast du nun vollbracht.

      Auch wenn Lebensalter quälen.

      Jetzt wird nie mehr schlapp gemacht.

      Lebe einfach immer weiter;

      keine Schule, wenig Kummer.

      Steig  hinauf  die Lebensleiter

      bis hinauf zur höchsten Nummer.

      Kommst du an, steht da ’ne 100

      Ja dann fragst du dich verwundert.

      Mensch! Wie hab ich das gemacht,

      dass die Sprossen nicht gekracht?

      Kletterst noch ein Stück hinauf –

      Plumps --- und Konrad fängt dich auf! 

            *

         Erich @ (Friät- un Suup-) Naober Bad Essen, 08. Dezember  2007

            *

 

        Erich Adler ©

        Vierzeiler für einen 70ger

                

        Nicht gelogen, nicht geschummelt,

        nicht am Alter rumgefummelt.

        Täglich steifer – doch mit Würde.

        So nimmt man die nächste Hürde.

 

            *

        “Noch ein Gedicht” – noch ein Anlass für  Gebrauchslyrik

          Idee: Umarbeitung eines bekannten Kinderliedes - vom “bucklicht Erich” 

             Hommage zum Jubiläum der immer  munteren „Jubilorin“ am Bornweg

 

      Erich Adler  ©

      Auf ein altes Kindergedicht 

       

      Wenn ich in mei’ m  Beetlein knie

      Will ein bisschen graben

      Bleibt die Lore erst mal stehn

      Ist für’n Schnack zu haben.

       

      Will ich in den Ort wohl gehn

      Will ein Blümchen holen

      Seh ich Leonore da

      Flink wie ’n junges Fohlen!

       

      Geh beim Bäcker ich vorbei

      Mir Gebäck zu kaufen

      Seh ich durch die Scheibe raus

      Lore, Lore laufen.

       

      Später in die Küch’ ich  geh

      Will mein Süpplein kochen

      Kommt am Fenster sie vorbei

      Wohl von Arzt gestochen.

       

      Will ich in mein Stüblein gehn

      Will mein Müslein essen

      Kurvt die Frau ums Eck herum

      Hat scheints was vergessen.

       

      Sitz  ich später  dann bei Tisch

      Mampfe  ganz im Stillen

      Kommt mir in den Sinn so frisch

      Gleich ein frommer Willen:

       

      „Lieber Herrgott - ach ich bitt

      Halt mir diese Frau lang fit!“  

                  14. 03. 2000

          *

      Erich Adler ©

      Ernst (haft) gefeiert

       

      Jetzt wird’s ernst,

      jetzt kommt ein Spruch,

      denn ein Lied,

      ist nicht genug.

       

      Heute ist der Tisch gedeckt,

      drauf stehen Gläser für den Sekt.

      Heiterkeit zieht ins Gesicht,

      Alterswehmut will Ernst nicht.

       

      Darum hat er uns geladen,

      ist es auch zu seinem Schaden.

      Wohin sonst mit seinem Geld?

      Besser doch, wenn ’s uns gefällt,

      dass er lebt noch auf der Welt

      und uns Nachbarn herbestellt.

       

      Ja, der Ernstich glaub, der macht sich!

      Wurd‘ er 70? Wird er 80?

      Zählen ist uns scheißgal –

      Hauptsache hier knallt‘s im Saal.

      Deshalb nochmals hoch das Glas –

      Freudentränen – und das war’s !

       

      Nachtrag:  πάντα ε  (Panta Rhei) = ‚Alles fließt‘ oder auch:

      Alles Flüssige rasch her damit!

       

      Wem mein Sprüchlein war zu kurz –

      muss wohl einmal wiederkommen,

      wenn mehr Zeit vorbeigeschwommen.

       

      Dann hab ich ganz lang gedichtet,

      seitenweise angerichtet,

      was den Zuhörern gefällt,

      selbst wenn sie es nicht bestellt.

       

      Wird Ernst 90 oder 100,

      rufe ich bestimmt verwundert:

      „Menschenskind – wer hätt‘ gedacht,

      dass Jubeln so viel Arbeit macht!“

            *                               Mai 2015

             

 d)      Gebrauchslyrik? –  Jetzt wird’s noch ernster:

Abschiedsdank nach typischem Schadchen  bei alternden Männern:

         Erich Adler ©

    So’n Schiet – schon Abschied

     

    Vor ein paar Tagen traf ich ein als Patient

    und hatte kaum noch eine Nacht gepennt;

    Es war die Blase, die sich nicht entleerte,

    sodass der ganze Körper sich bei mir beschwerte.

    Der Tipp: „Ins Krankenhaus!“ war mir nicht sehr geheuer.

    Ich wehrte ab: „Die mach’n mich auch nicht neuer!“

    Doch letztlich blieb mir keine andre Wahl,

    denn mit ’nem  „Blasen-out-door-Beutel“ wird der Lebensradius schmal.

    Mein Hausarzt wusste, wo sich Rettung findet,

    ein Haus in Lübbecke  und das nicht nur entbindet.

    Die Mischung macht’s aus Kompetenz und Wärme,

    vom Kopf ins Herz bis runter in die Därme. –

     

    Heut geh ich fort – der Alltag weitergeht.

    Ich hoffe sehr, dass Dr. Dettmars Team besteht.

    Als Dank bleiben Gedicht und Kärtchen da.

    Ein Erich grüßt mit neuer Prostata.

                                                                         Lübbecke,  Station 6 Ost  01. 08. 07

                                        *

          Lyrikschadchens Beispiele der Gebrauchslyrik:

    Hochzeit - Geburtstag - Dank- und Abi-Rede  (Wer noch mehr braucht s. PDF - Version)

 

         Deutschlehrer 2008? – Jetzt ist aber mal Schluss!

 

Dreimal die Woche auf Grund (- Kurs) – bald geht’s von Bord  –  Ad(e!) © 

 

Zwei liebe Schülerinnen, die mir gut bekannt

aus früheren Jahren, als ich selbst noch schön

die drückten sich bescheiden an die Wand

mit einer Bitte, weich und warm wie Föhn:

„Könnten Sie nicht auch was zu dem Jahrgang sagen?

Denn wir geh’ n fort in gar nicht wenig Tagen.

Sie hatten uns doch auch mal, wissen Sie noch?“

In meinem Hirn entsteht ein tiefes . . .

„Ja, ja – wann war das noch?“

Lang, lang ist’s her.

Nun ja;  ein Lehrer stellt doch immer gerne Fragen

und nun soll ich zum Abschied auch was sagen.

Ganz generell zum Jahrgang fällt mir wenig ein.

Die Unkenntnis im Grüßen ist zum Schrein!

Doch will ich mich auf meinen Kurs beschränken

Und nicht pauschal sämtliche Schüler kränken.

Gewichtig Wort poetisch tief verfassen?

So denn: „Dem ganzen Jahrgang: Hoch die Tassen!“

                                 1.

Dreimal die Woche – und der Stunden vier

setz mich ans Pult – schau auf- „Sind alle hier?“

Ach ne, da fehlt doch wieder Hans und Schlumpf –

Na ja, bei 25 ist auch wohl mal Pause Trumpf.

Wer will denn dauerhaft den Werther leiden lassen

falls doch das Jahrgangsmotto lautet: Hoch die Tassen?

                             - - - - - -

Mein lieber Deutsch-Kurs – keinen fand ich doof.

So manchem machte ich auch mit der Prosa  Hof

und immer drohte uns:  zentrales Abitur.

Kritisch gefragt:  Ach, was wird das denn nur?

Mit sehr viel Ballast hab ich euch gefüttert.

Manch Unkenntnis, die hat mich tief erschüttert.

(Auch bei mir selbst: Was sind bloß O-pe-ra- toren.

Zwar 30 Jahre Lehrer – aber dafür nicht geboren. )

 

Und früher selber Schüler war’ n  mir Woyzecks Erbsen schnurz.

Auch Goethe fand ich nervig, diesen FFF . . . .

den Klassiker, der gern mal  Punkte setzt

als Sturm und Dränger durch die Dichtung hetzt

und meint:

    ’Ne geile Selbstmordstory kann man rasch verfassen.

    Wer’s s falsch versteht, soll  Finger davon lassen.

                                       2.

Auch Felix Krull, den musste ich euch bieten –

Nun gut, es gibt ja schlimmere  Erotik-Nieten.

Den Thomas Mann ham wir ganz schön verbraten

und immer wieder nach dem Dichtungswert geraten.

Manch Kursteilnehmer gab sich Mühe, falls er da.

So mancher blieb im Bett. Deutsch-Kurs? Blabla!

Der kannte eben all die  Bettgeschichten schon.

Wer aber kam, bekam Erkenntnis-Lohn.

Und einige, die haben sogar gelernt

was diese schwüle Frau von Hermes will.

Rot wurde keiner – mancher blieb halt still.

Der Kursleiter in Mannsche Prosa  stierte

damit er sich nicht bei dem Sex blamierte.

Sado-Maso-Chismus – Sex?

Zentrales Abi-Thema? Hex! Hex!

Und jetzt noch späte Tipps dazu verfassen?

Mein lieber Kurs:  „Vom Sex die Finger lassen!“

                             3.

Ich wurde oft zum Kurs-Treff eingeladen,

Doch leider find ich Saufen nicht mehr schön.

Und zu ’nem Kegelabend fehlen mir stabile Waden

Auch mit dem Rücken dauernd bücken

– will nicht mehr glücken.

Drum ließ ich leider euch zu oft im Regen stehn. -

Wenn diese Frage regelmäßig kam

erwies sich Adler gar zu rasch als flügellahm.

Da gab es dies, da gab es das – und das schien wichtig.

Doch überzeugend war wohl nichts,  wohl eher nichtig.

Und letzte Ausreden jetzt – die werd ich lassen.

Ihr sollt mich nüchtern in Erinnerung behalten ,

nicht aber hassen.

          4.

Ich wünsche allen, die ich hatte – gute Fahrt

Für euer neues, lyrikfreies Leben.

Kein Blick zurück im Zorn - Das wünsch ich mir.

Es war doch vieles gut an diesem Kurse hier.

So mancher hat gewonnen, liebt jetzt Karten

kann nach dem Abi  wohl ’ne Poker-Karriere starten.

 

So mancher muss in Zukunft nicht mehr grüßen.

Bisher beliebt im Forum: Runter schaun  zu ’n  Füßen.

Wir Lehrer sind doch auch nur Menschen

selbst wenn man’s nicht merkt.

Ein blonder Augenaufschlag uns die Seele stärkt.

Nein, nicht zum Scherz

dann wird uns warm ums Herz.

 

Im Kurs mal reden, wenn es angesagt – und nicht

vergesslich sein, wenn Lehrer nach der Krankheit fragt.

Doch jetzt verspätet weitere Tipps verfassen?

Das spar ich mir und bleibe ganz gelassen.

                        5.

Die Werkstattarbeit hat mir gut gefallen

das fand ich besser als mit euch zu lallen.

Manch braves  Referat kam von euch rüber

doch allerdings – manch Paddde quatscht dann lieber.

Man muss mal schweigen, wenn es angesagt –

wenn einer vorn am Tisch wird ausgefragt.

 

Macht’s gut mein Kurs – und kauft euch mal ein Buch

denn das Kopiergeld-Sammeln ist mein Fluch.

Ihr dürft jetzt lesen – selbst noch das

was ihr nicht sollt!

Mein’swegen nur noch SMS – und literarisch rumgeschmollt.

Schreibt es euch fortan hinter beide Ohren:

Was ihr nicht braucht im Leben sind

 O- pe- ra- toren.

Auch wär es gut, wenn ihr ‘nen härteren Chef bald fändet,

damit die Schwänzerei nun endlich endet.

 

Mein Mammutkurs … Schule war Spaß!

Nicht mehr gegrübelt über Punkte, Noten

die man sich saugt als Leiter aus den Pfoten.

Nicht mehr geraten, was in Deutschland einst geschah

als alles lag in Trümmern.

Von mir kein Wimmern,

dass die Zeit nach 45 nicht mehr Lehrstoff war –

N-d-r-s. Zentralabi - schon sonderbar!!!

Doch allerletzte ernste Worte jetzt verfassen?

Nichts mehr gesagt –

denn  Kahlschlag tu ich hassen! –

Macht’s gut – von mir

- etwas beklagt -

vom GBE und hier: 

Entlassen!

            *

“Kleine unerhörte Begenheit” mit Leerlauf:

Mein lieber Jahrgang – Planung ist doch alles.

Ihr hattet mich gebeten um ein Wort.

Ich war bereit, gekämmt und artig auch am Ort

den wir gemeinsam abgemacht.

Ich hab gewartet und gewacht –

es wurd fast Nacht.

Nun gut –  ich will nicht übertreiben

Nur nach zwei Stunden wollt ich nicht mehr länger bleiben.

Es waren nur zwei Stunden meiner Lebenszeit –

O.K. - Ich weiß Bescheid:

’Nen Lehrer zu versetzen – das geht auch.

Die Schüler zu versetzen ist ein feinrer Brauch.

 

Ich blieb allein – kein Schwein

war da – recht sonderbar.

So kann man Lehrer nicht für neue Zeiten

auf künftige Jahrgangswünsche motivierend vorbereiten.

Das müsst ihr also lernen:

Was man abgemacht, das hält man ein.

Man ist verlässlich!

Anderes wirkt

hässlich.

Egal - von mir kein böses Abschlusswort

Nur so viel noch :

Ich troll mich fort.

                   *                                        Erich ade @  GBE  06/ 2008

 

Und so kann man auch verabschiedet werden - von einer geschätzten, lieben Kollegin.

                          (Hoffentlich behält sie Recht.)

  I.   Motto:   „Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit.“ (Franz Kafka)

   II.  Gedicht:

          Beate Hölscher ©

           

          War einst ein Lehrer, der liebte sehr

          Dramen, Romane – doch noch viel mehr

          liebte er Poesie,

          Schöneres fand er nie . . .

          Im Ruhestand nun unentwegt dichtet er!

                                                                                  Juni 2009

 

    Doch Sandra hat geahnt, wie man sich fühlt

    als Lehrer “Einsam” merklich abgekühlt.

     

 > PDF- Gebrauch erlaubt  . . .

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