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  Lesen schadet den Augen

 

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    Mööööööööööönsch - schon wieder Interpretieren!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

 

 Lyrikschadchens Gedanken zu einer schriftlichen Gedichtinterpretation (Empfehlung, kein Patentrezept!)                 

 1. Einleitung: 

 

a)     Informationen grundsätzlicher Art zu Verfasser, Titel, Textsorte und Entstehungszeit bzw. grobe                                            Einordnung in die jeweilige Literaturepoche

b)     Thematik, Motivik, „Handlung“ des Gedichts

c)     Erster Spontangedanke zur „Botschaft“ und zur Absicht des Autors , der sich dann im Verlauf der                       Analyse zu bewähren hat oder gegebenenfalls (am Ende) korrigiert werden muss. (Arbeitshypothese)

 

 2. Hauptteil

 a)      Die Beschreibung der äußeren Form (Gedichtart, Strophenform, Metrum, Reim). Auf diese Weise nähert man sich formal sachlich dem Text, ohne durch Ängste vor Fehldeutungen blockiert zu werden. Was man benötigt ist allerdings Basiswissen zu Strophenanlage - Rhythmus/ Versmaß (Metrum)  - Reimverwendung. (Ein Sonett sollte man blind erkennen, falls man bis 14 zählen kann.) Verszählung links vornehmen,  kleine Buchstaben für das Reimschema rechts und den weißen Spielraum um den Text nutzen! Bei Gedichten ist „Papierverschwendung“  für den Macher der Kopiervorlage ein „Muss“. An einem Text muss sichtbar gearbeitet werden; das gilt im Weiteren auch für die Assoziationen zu den Auffälligkeiten der sprachlichen Bilder wie der Sprache des Gedichts ganz generell.

 

b)      Die Beschreibung der inneren Form (der Aufbau des Gedichts, seine auf Sinn ausgerichtete Bild- und Gedankenfolge, die sich nicht einfach über die Strophenzahl allein erschließen lässt.)  Die Sprechweise des sog. lyrischen Ichs (Wut, Trauer, Jubel, Mahnung, Protesthaltung, Appell u.s.w.) zeigt den richtigen Weg zur Botschaft und Absicht. Die „Illustration“ dieser emotionalen Sprechakte geht über eine an sachlichen Textsorten angelehnte Beschreibung ganz grundsätzlich hinaus. Die Bildlichkeit (Metaphorik) ist der „Königsweg“ auch ins Unterbewusstsein des Sprechers. Trotz  rationaler Konstruktion seines Textes entzieht sich selbst dem Lyriker eine vollständige Erschließung seiner Wortwahl. Daher auch der Spielraum bei der Interpretation. Haben Sie also keine Angst vor Fehldeutungen. Sie dürfen anderer Meinung sein als der Lehrer; aber es gibt auch Fehldeutungen, oft aus Unkenntnis über Bedeutungsveränderungen von Worten. (Eine Dirne ist eben in Fontanes „Ribbeck“ kein Strichmädchen. Und der alternde Birnenfreund denkt nicht an Kindesmissbrauch.)

                Vermeiden Sie die  ”Schülerlieblingsformulierung”  in Aufsätzen: Der Autor beschreibt .

                                                              Lyrik „beschreibt“ nicht! 

Arbeiten Sie optisch das „Textgewebe“ (= lat. Textus) durch, ordnen Sie Wortfelder und  Wortfamilien, die Ihnen über die Einzelstrophe hinaus als zusammengehörend auffallen. Notieren Sie Ihre  Gedanken zur Absicht und Wirkung dieser „Sinnfelder“. Werfen Sie auch einen Blick zurück, ob Ihre Spontanidee des Interpretationseinstiegs noch stichhaltig scheint  oder bereits  zu differenzieren ist. (Haben Sie auch Mut, diese als abwegig einzustufen. Fehlbefunde sind auch Befunde - Ihr Lehrer weiß das!).

 c.)

Nun stecken Sie bereits mitten in der Interpretation. Glückwunsch! Sie kommen voran. Sie deuten bereits. Fragen Sie sich, welchen Sinn es macht, die Formeinsichten Ihres Einstiegs nun in  Beziehung zu den einzelnen „Sinnfelder“ und „Wortfamilien“ zu bringen. (Konkret: Warum ist der Alexandriner im Barockgedicht so dominierend? - Es liegt am Weltbild, an der Zäsur von Diesseits- und Jenseitsglauben, der Antithetik:          Abends Disco-Ball („Pankett“ ) - morgens Kater - das kennen Sie - das nennt man Lebenserfahrung! Abstinenzler haben da eine Leerstelle.

Fragen Sie sich ruhig, auch wenn es als verpönt gilt: Was will der Dichter (mir) eigentlich sagen? Denn er macht seine Produktion nicht als Broterwerb. Entweder spricht der Lyriker mit sich selbst durch, was er von der Welt und seiner Beziehung zu ihr begreift;  er will  nicht mehr als nur das, was ich  „inneren Dialog“ nenne. (Sie kennen vielleicht inneren Monolog“ aus der modernen Prosa.) Oder aber: Ein Gedicht spricht sich auf einen Leser zu, will vielleicht ganz vertrauensvoll als “Flaschenpost” (Celan) irgendwo anlanden;  auch das ist möglich. Trifft nichts von beidem zu, sollte der Autor besser seinen Garten umgraben. Sagen Sie das ruhig, wenn Ihnen dieser Verdacht kommt. Aber vermeiden sie vorschnelle Überheblichkeit: Manche Gedichte sind das Ergebnis einer Lebenserfahrung (“Siehste wohl!”),   die Ihnen vielleicht noch fehlt. O-Ton: “Willkommen und Abschied“ hätte Goethe besser nicht schreiben sollen. Besser wäre gewesen, er hätte die Frau glücklich gemacht. (Nur die kleine Brion durfte das denken. Aber Sie dürfen das weder sagen noch zu Papier bringen; stattdessen:)

 

3. Denken Sie an den Schlussteil:  

 a)  Fassen Sie Ihr  Ergebnis zusammen und bewerten Sie ihre (bereits differenzierte?) Spontandeutung;                                                                                                                                                     

 b) bewerten Sie den Charakter des Textes

in Hinblick auf seine formale und thementypische Anlage (Thema, Bauweise, Botschaft, Leserbezug,

 Selbstaussage ).  Erst dann sagen Sie auch,  ob Ihnen das Gedicht so gefallen hat, dass Sie selbst vorm

Auswendiglernen nicht zurückschrecken würden.  

                                                                                                                                                                                                                  Erich Adler ©

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